Die Geschichte der
Via Claudia Augusta
insgesamt

 

Die Via Claudia Augusta ist die einzige Straße, deren Geschichte auf zwei römischen Meilensteinen nachzulesen ist. Auf dieser Seite erfahren Sie alles über die Meilensteine und die generelle Geschichte der Via Claudia Augusta, von den urgeschichtlichen Vorläufern, über die Römerzeit, das Mittelalter und die Neuzeit bis heute. Auf zwei weiteren Seiten erfahren Sie in Bildern und kurzen Texten die Geschichte(n) der Regionen und Orte entlang der Via Claudia Augusta. Außerdem umfasst der Geschichte(n)-Bereich der Internetplattform eine historische Datenbank, in der Sie nach Wissen zur Straße, ihren Abschnitten und Orten suchen können, und "4 Karten durch die Jahrtausende" zu den Regionen entlang der Route.

neutrale Übersichtskarte

Meilensteine erzählen uns
die Geschichte der Straße

Die Via Claudia Augusta ist als einzige römische Straße durch 2 Meilensteine schriftlich belegt, durch den Meilenstein von Rabland (Südtirol) und jenen von Cesiomaggiore bei Feltre (Venetien). Die zwei Meilensteinen nennen den Namen der Straße, wann sie errichtet wurde, Ihre Endpunkte im Norden und Süden, die Wegstrecke, den Auftraggeber und – was ziemlich ungewöhnlich ist – sogar den „Urheber“. Beides  war Kaiser Claudius Augustus, der sich offenbar bei seinen Untertanen profilieren und für die Nachwelt verewigen wollte.

Der Meilenstein von Rabland (Südtirol)

Text:
Ti[berius] Claudius Caesar
Augustus German[icus]
Pont[ifex] max[imus] trib[unicia] pot[estate] VI
con[n]s[ul] desig[natus] III imp[erator] XI p[ater] p[atrie]
[vi]am Claudiam Augustam
quam Drusus pater Alpibus
bello patefactis derexserat
munit a flumine Pado at
[f]lumen Danuvium per [milia]
p[assuum] CC[CL]

Übersetzung:
„Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, Pontifex Maximus, bekleidet mit der tribunicia potestas zum sechsten Mal, designierter Konsul zum vierten Mal, Kaiser zum elften Mal, Vater des Vaterlandes, hat die Via Claudia Augusta, die sein Vater Drusus nach Öffnung der Alpen durch Krieg hatte trassieren lassen, ausgebaut vom Fluss Po bis zum Fluss Donau auf einer Länge von 350 Meilen.“

Der Meilenstein wurde im Jahr 1552 entdeckt und steht heute  im Bozner Stadtmuseum. Am Fundort, vor dem Hanslwirt in Rabland, wurde eine Kopie aufgestellt.

Der Meilenstein von Cesiomaggiore bei Feltre (Veneto)

Text:
Ti[berius] Claudius Drusi f[ilius]
Caesar Augustus Germa
nicus pontifex maxu
mus tribunicia potesta
te VI co[n]s[ul]  IV imp[erator] XI p[ater] p[atrie]
censor viam Claudiam
Augustam quam Drusus
pater Alpibus bello pate
factis derex[e]rat munit ab
Altino usque ad flumen
Danuvium m[ilia] p[assuum] CCCL

Übersetzung:
“Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, Sohn des Drusus, Pontifex Maximus, bekleidet mit der tribunica potestas zum sechsten Mal, designierter Konsul zum vierten Mal, Kaiser zum elften Mal, Vater des Vaterlandes, Zensor, hat die Via Claudia Augusta, die sein Vater Drusus nach Drusus nach Öffnung der Alpen durch Krieg hat trassieren lassen, über 350 Meilen von Altino bis an die Donau ausgebaut.

Der Meilenstein wurde 1786 in Cesiomaggiore gefunden und steht heute am Fundort, im Nebengebäude der Villa Tauro delle Centenère aus dem 16. Jahrhundert.

Auch in Nauders, in Tenna und in Alano di Piave wurden römische Meileinsteine gefunden. Dabei handelt es sich nicht um Gedenksteine, wie bei den Meilensteinen von Rabland (Südtirol) und Cesiomaggiore bei Feltre (Veneto). Sie lieferten Entfernungsangaben.

Zahlreiche Orte entlang der Straße haben Nachbildungen der Meilensteine von Rabland bzw. Cesiomaggiore aufgestellt, um an die Via Claudia Augusta zu erinnern.

Meilenstein Hurlach
Meilenstein Donauwörth
Meilenstein im Ort
Beim Meilenstein Nummer 6
Meilenstein Kleinaitingen
Meilenstein mit Hund
Meilenstein bei Unterdiessen
Römergruppe beim Nachbau eines Meilensteins auf der Fliesser Platte
Römischer Meilenstein Partschins

Via Claudia Augusta
im Wandel der Zeit

Die Wege vor den Römern

Auch vor den Römern führten Wege über die Alpen. Die Räter und Kelten benötigten aber keine breiten, komfortablen Straßen. Sie hatten keinen gemeinsamen, straff geführten Staat, sondern waren stammesmäßig organisiert. Sie produzierten und transportierten auch nicht in Massen, wie die Römer. Die Wege in der Ur- und Frühgeschichte darf man deshalb in Tälern als Karrenwege vorstellen, die die Siedlungen miteinander verbanden, über Pässe oft auch nur als Saumpfade, auf denen Tragetiere die Ware transportieren.

Saumpfad

So darf man sich vorrömische Saumpfade vorstellen.

Kelten Raeter mit Wagen
Etrusker Räter Kelten

Schon die Etrusker, Veneter, Räter und Kelten standen mit einander in Kontakt und benutzten dafür den Fern- und Reschenpass.

Der Ausbau zur antiken Alpen-Autobahn

Schon während des Alpenfeldzuges begannen Augustus‘ Stiefsöhne Drusus und Tiberius die bestehenden Wege für den Militärtross auszubauen. Bis 46 n. Chr. wurde die Via Claudia Augusta immer wieder verbessert. Die erste europa-verbindende Straße über die Alpen war schließlich in der Regel 6 – 8 Meter breit und erlaubte somit auch Gegenverkehr. An Engstellen gab es sogar Verkehrsregelung. Sie war in der Mitte gewölbt und viel nach außen hin, zu den Straßengräbern rechts und links, ab. Somit war sie nach Regen oder Schnee schnell wieder trocken. Das war wichtig, diente sie doch der raschen Bewegung der Truppen. Die antike Alpen-Autobahn ermöglichte und förderte aber auch einen regen Handel ohne Zölle und Maut. Wenn man so will war das Imperium Romanum der erste europäische Binnenmarkt.

 

Querschnitt Römerstraße

Via Claudia Augusta Imperum Romanum

Der Verlauf und die Bedeutung der Via Claudia Augusta

Die Via Claudia Augusta war nicht nur über längere Zeit die wichtigste Straße über die Alpen. Sie verband den äußersten Norden mit dem Süden Europas, ja sogar mit dem Süden und Osten des Reiches, das bis Nordafrika und in den Nahen Osten reichte. Wenn Claudius Paternus Clementianus, der in Nordafrika wirkte, bevor er Statthalter in Noricum war, in seine Heimat, im heutigen Epfach / Denklingen / Bayern reiste, setzte er vermutlich mit dem Schiff zum damaligen Adriahafen Altinum über und fuhr dann auf der Via Claudia Augusta über die Alpen. Als Kaiser Claudius Britannien eroberte, kehrte er vermutlich auf der Via Claudia Augusta nach Rom zurück. Und auch auf den Balkan und weiter in den Nahen Osten reiste man das erste Stück über die Via Claudia Augusta.

Überfall

[1] Überfall auf Reisende durch Straßenräuber | [2] Typischer Hohlweg am Fernpass

Hohlweg Fernpass

[1] Überfall auf Reisende durch Straßenräuber | [2] Typischer Hohlweg am Fernpass

Weiternutzung bis es nicht mehr ging

Nach dem Niedergang des römischen Reiches wurden die Römerstraßen weitergenutzt. Sie wurden aber nicht mehr regelmäßig gepflegt und in Stand gesetzt, wie in der Römerzeit. Entsprechend schlecht war der Zustand der Straßen. Durch mit angezogenen Bremsen bergab rutschende Wagen wurden die in der Mitte gewölbten Straßen der Römer sukzessive zu Hohlwegen. Aufwändige Straßenabschnitte wie die schwimmend auf Holzstämmen verlaufende „Prügelstraße“ zwischen Lermoos und Biberwier wurden aufgelassen. Die Straße durch die Talenge nördlich von Bozen, die die Brenner-Route ab 200 n. Chr. erstmals zur einfachsten und  meistbefahrenen Straße über die Alpen gemacht hatte, verfiel. Die Reisenden mussten wieder eine dritte Passhöhe, den Ritten, bewältigen und die Via Claudia Augusta war wieder für Jahrhunderte die bedeutendste Straße über die Alpen. Zum schlechten Zustand und der Gefährlichkeit der Straßen kam auch noch die Unsicherheit, ausgeraubt zu werden. Entsprechend spärlich war der Handelsverkehr. Die Wirtschaft siechte dahin.

Wiederbelebung als Salzstrasse

Wagen entlang der Salzstraße

Neuerliche Investition in StraßenGegen Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit begannen Adelige und Kaufleute wieder in eine Verbesserung der Straßen zu investieren, um die Wirtschaft zu beleben und die Steuer-Einnahmen zu entwickeln. Der Bozner Kaufmann Kunter kümmerte sich um die Erneuerung der Straße durch die Talenge nördlich von Bozen. Im Unterschied zur Römerzeit war es üblich, für die Benützung der Straßen Maut zu kassieren. Die Starkenberger, ein bedeutendes Geschlecht aus Tirol, das in die Sanierung der Via Claudia Augusta zwischen Fernpass und Landeck investierte, galt als „Raubritter“, weil sie ihre Investitionen über Maut wieder hereinholten. Zusätzlich kassierten die Fürsten Maut. Gewisse Waren wie Salz unterlagen sogar den Regeln des sogenannten Rodfuhrwesens. Sie durften nur von lokalen Fuhrunternehmern transportiert werden und mussten an Orten mit Niederlagerecht ab- und umgeladen werden. Ein gänzlich anderes System als der erste europäische Binnenmarkt, ohne Maut und Zölle, der Römer. In beiden System lebten aber viele Menschen entlang der Route von und mit der Straße. Die Via Claudia Augusta war nicht mehr die wichtigste und meistbefahrene Straße, war aber weiter ein bedeutender Alpenübergang. Endgültig von der Brennerroute überflügelt wurde sie erst mit dem Bau der Brennerbahn und dann mit der Brennerautobahn.

Salzstrasse bei Schloss Fernstein

Die Salzstraße beim Schloss Fernstein.

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